carfree = carefree

Ich bin mit mehreren Beiträgen eifrig ins Stadtradler-Star-Dasein gestartet. Danach flaute mein Schreibverhalten aber wieder ab. In der Zwischenzeit war ich jedoch fast täglich auf dem Rad. Fast täglich? Als Star?

Nun, ich habe in den drei Wochen kein Auto von innen gesehen. Ich bin jedoch an vier Tagen gar kein Rad gefahren – das waren die drei Sonntage und der vergangene Donnerstag. Die Sonntage sind schnell erklärt. Da arbeite ich nicht und die Läden sind auch zu – und die Frühstücksbrötchen hole ich zu Fuß. Und unter der Woche? Nein – da hatte ich keinen Urlaub, und ich war auch nicht krank. Ich habe mich einfach, als ich die Wohnungstür hinter mir zuzog, dazu entschlossen, nicht das Fahrrad aus dem Keller zu holen, sondern zu Fuß zum Bahnhof zu laufen – nicht zum weit entfernten Hauptbahnhof, aber auch nicht zur nahe gelegenen Stadtbahn oder S-Bahn, sondern zum zwei Kilometer entfernten Dorfbahnhof. Auch in Essen bin ich dann nicht in die Stadtbahn gestiegen, sondern direkt zur Uni gelaufen. Ich muss allerdings gestehen, dass mir das Fahrrad schon etwas gefehlt hat. Dennoch werde ich diese neue Angewohnheit beibehalten.

Was gibt es sonst zu berichten? Ich habe in den vergangenen Wochen habe ich den Verkehr, also die Autofahrer und die Fußgänger, aber auch andere Radfahrer, genauer beobachtet als sonst. Eigentlich hätte ich alle 5 Minuten anhalten können und einen Regelverstoß notieren können.

  • Da waren z.B. zahlreiche Radfahrer, die auf der falschen Straßenseite radelten – weil es in der Tat höchst unlogisch wäre, zweimal eine vier- bis sechsspurige Straße zu überqueren.
  • Fußgänger betrachten benutzungspflichte wie nicht-benutzungspflichtige Radwege, die auf gleichem Niveau wie die Fußwege liegen, oftmals einfach auch als Fußwege.
  • Es gab auch den Autofahrer, der die linksabbiegende Radlerin vor sich zwar sah und auch vor seiner Blechbüchse – ja, ich liebe Autos, und ich habe Freude am Fahren und Vorsprung durch Technik, aber es sind und bleiben nun mal Blechbüchsen – einfädeln ließ, dann aber wie wild hupte, weil es ihm offensichtlich nicht zu schnell ging.
  • In Essen war ich auf einer Seitenstraße zunächst freudig überrascht worden, als ich vor der Ampel eine Kontaktschleife für Radler entdeckte, um nach dieser Kreuzung auch schon wieder enttäuscht zu werden, als ich sah, wie eine Tagesmutter mit den ihnen anvertrauten Kindern den Pflichtfußweg verlassen musste, weil auf diesem ein Poller aufgestellt war (vermutlich um Autos am Wildparken zu hindern).
  • Immer wieder sieht man natürlich Kavaliere, die in Formel 1-Manier ihre Räder durchdrehen lassen, mit Vollgas auf die nächste Ampel zusteuern, um von dieser wieder ausgebremst zu werden, bevor das Spiel sich wiederholt. Auf dem Dortmunder Wall oder dem Hellweg in Richtung Unna ist die Ampeldichte so hoch, dass man das Schauspiel als Radfahrer über Kilometer hinweg verfolgen kann, den vorgenannten Blechbüchsenfahrer damit auch noch zur Weißglut treibt …
  • In den Online-Diskussionen dominieren nach wie vor die Themen Helmpflicht (durch die Hintertür) und Rechtsabbiegeunfälle.
  • Am vergangenen Samstag (also nach dem offiziellen Stadtradeln-Ende), hatte ich zwei nette Fahrer, die vorbildlich jeweils den Radfahrstreifen frei hielten, um – ja, Ihr könnt es erraten – gleich wieder enttäuscht zu werden.

Wie bereits erwähnt, könnte ich diese Aufzählung beliebig fortsetzen. Zwar habe ich Vertrauen, dass die o.g. Fälle immer seltener werden, je mehr Radler auf den Straßen unterwegs sein werden. Aber ich will mich künftig in meiner Arbeit als Fahrradaktivist nur für die Sachen einsetzen, die mir und allen Mitstreitern auch Spaß machen … und das sind die VeloCityRuhr-Projekte. Während des Stadtradelns in Essen gab es deren zwei – und diese sind auch meine persönlichen Stadtradeln-Highlights, und sicher auch die der Mitradler:

Die drei Wochen Stadtradeln habe ich problemlos autofrei überlebt. Und dank unseres Lastenradprojekts Cargo.VeloCityRuhr.net  (läuft gerade an, daher regelmäßig reingucken) werde ich auch in Zukunft carfree und carefree leben.

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hallo Essen! hallo Bottrop, Gelsenkirchen, Gladbeck und Rheinberg! hallo Ruhrpott! hallo Welt!

[noch 1 Tag bis zum Start]

Das mit dem Star? Ich weiß nicht. Stadtradler auf jeden Fall. Stadtradler bin ich von Kindesbeinen an. Doch im Herbst 1993 kam das Mofa. Später dann das Moped, geliehene Motorräder und insgesamt vier Autos (also der Reihe nach, nicht gleichzeitig). Das Radfahren spielte keine Rolle mehr.

Ihr könnt es schon erahnen – sonst würde ich hier nicht bloggen: diese Motorisierung nahm dann auch wieder ab. Dank meiner Frau nutzte ich ab 2005 das Rad dann immer öfter zum Einkaufen. Nach und nach auch für Wege zum Jobben und zur Uni bzw. zum Bahnhof, da ich in Dortmund wohne und in Duisburg studierte. Mittlerweile arbeite ich an dieser Uni – auch in Essen -, und so ist das Pendeln mit Bahn und Velo zum Alltag geworden.

Was sich heute noch ändert, sind die Anteile zwischen diesen beiden Verkehrsmitteln. Immer mehr Kilometer verlagere ich von der Bahn aufs Rad: d.h. ich radle nicht zum nahe gelegenen Dorfbahnhof, sondern zum Hauptbahnhof. Wenn ich nach Duisburg zur Arbeit möchte, steige ich immer öfter bereits in Essen aus und radle gemeinsam mit einem Arbeitskollegen nach Duisburg. Und vielleicht steige ich demnächst in Bochum oder Herne aus, wenn ich nach Essen will.

Ach ja, das Auto. Das habe ich noch, sonst wäre ich gar nicht zum Stadtradeln-Star ernannt worden. Aber in den letzten zwei Jahren brauchte ich vier- oder fünfmal Starthilfe, weil die Batterie sich aufgrund der wenig zurückgelegten Kilometer nach und nach entleerte. Als ich dann gefragt wurde, ob ich nicht während des Stadtradelns meinen Autoschlüssel für drei Wochen abgeben wollte, musste ich keine Sekunde überlegen. Wenn ich das Stadtradeln also carefree überleben werde, werde ich danach carfree leben.

Ich bin Stadtradeln-Star für Essen und Kapitän für das Team Universität Duisburg-Essen. Wenn ich hier über Essen schreiben werde, dann wird das auch in der entsprechenden Kategorie zu finden sein. Da ich aber auch wissen will, was in den anderen Stadtradeln-Städten in der VeloCityRuhr so passiert, also Bottrop, Gelsenkirchen, Gladbeck und Rheinberg, werde ich evtl. auch mal für die anderen Städte schreiben.

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