Last, not least…

P1230796P1230777P1230807

Die letzten drei Wochen der Auto-Askese sind erstaunlich schnell vorbei gegangen und waren nicht annähernd so entbehrungsreich, wie mir vor und auch während der Aktion immer wieder prophezeit worden ist. Im Gegenteil: Die Strecken, die ich mit dem Rad gemacht habe, hätten mit dem Auto wegen der Parkplatzsuche oft sogar länger gedauert und waren zudem viel schöner. Der Gedanke, mit dieser Aktion sehr effektiv auch etwas für die eigene Fitness zu tun, kam ebenfalls dazu.

Oft bin ich belächelt worden, wenn ich mich bei Wind und Wetter auf den Weg gemacht habe und man hat mir vorgehalten, die Ambition mit dieser Aktion CO2 einzusparen, sei sinnloser als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Das ist wohl wahr! Selbst ich musste einsehen, dass Fahrten zum Baumarkt, die mein Freund wegen der Transportnotwendigkeit von Materialien mit dem Wagen machte und ich mit dem Fahrrad hinterher fuhr, nicht die Bohne dem Ziel entsprachen, Emissionen zu verhindern. Anderen wird es ähnlich ergangen sein.

Dennoch: Wie einfach es im Grunde ist, immer öfter auch bei etwas längeren Wegstrecken und „suboptimaler Wetterlage“ das Rad zu benutzen, habe ich bei der Aktion deutlich „erfahren“. Hatte ich früher häufig beim Blick aus dem Fenster auf den wolkenverhangenen Himmel noch lieber zum Wagenschlüssel gegriffen, statt nach dem Fahrradschloss, ist diese Hemmschwelle noch einmal deutlich gesunken. Ich bin bisher schon oft mit dem Rad gefahren und werde auch in Zukunft den Wagen noch häufiger stehen lassen. Einen Umdenk-Effekt hatte die Aktion allemal!

Heute also der letzte Tag.

Während Mann und Kinder mit meinem Auto nach Recklinghausen fahren und sich beim Sommerfest der Bau-Spiel-Farm einen schönen Nachmittag machen, schwinge ich mich also wieder aufs Rad und fahre nach Flaesheim zu meinen Eltern, um den freien Tag nicht allein in der Bude verbringen zu müssen.

Der Hinweg geht noch – lediglich Nieselregen und Gegenwind. Das würde logischerweise für die Rückfahrt, wenn schon keinen Sonnenschein so doch wenigstens Rückenwind bedeuten.

Aber Murphy´s Gesetze schlagen mal wieder erbarmungslos zu: Der Wind hat sich gedreht und schon kurz nach der Abfahrt regnet es Bindfäden. Mein totschicker Regenmantel ist zwar in den Packtaschen verstaut, aber ich mag nicht anhalten, um ihn auszupacken. Lieber trete ich kräftig in die Pedale, um schnell nach Hause zu kommen und dann gemütlich zu duschen. Auf dem Rad stehend gebe ich was ich kann und mache mächtig Meter…zumindest für ein paar Minuten.

Der alte Drahtesel macht die Treterei nicht mit und kapituliert. Die Kette springt ab und gleichzeitig ist der Vorderreifen nahezu platt. Die erste Panne mit diesem Rad (nicht nur seit Beginn der Stadtradelaktion, sondern seit ich es auf dem Sperrmüll gefunden habe) ereilt mich ausgerechnet jetzt!

Wer sein Rad liebt, der schiebt, denke ich und Mairegen bringt ja bekanntlich Segen – heute ist ja der letzte Tag, also Augen zu und durch…

So erreiche ich eine gute Stunde später nass bis auf die Knochen mein Heim und lasse tropfend von Kopf bis Fuß die Packtaschen im Wohnzimmer auf den Boden fallen, wo die anderen schon vor dem Fernseher sitzen. Ich schäle mich aus den dampfenden Klamotten und lasse mich nach einem ausgedehnten Wannenbad müde und erleichtert in die Sessel fallen.

„Und -“, werde ich hämisch gefragt: “Morgen wieder mit dem Rad zur Arbeit?“ „Na klar“, antworte ich. Nicht aus Trotz –

aus Überzeugung!

Liken und teilen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*