Gemeinsames Fazit der Rheinberger StadtradlerInnen: Interview mit Lars Kleiner, Sabine Meinert, Fritz Ettwig und Astrid Görgen

Die vier Stadtradler plus Jürgen Gorgen, Jens Harnack und Nicole Weber vom Koordinationsteam des Stadtradeln in Rheinberg trafen sich am 6. Juli nachmittags im Café, um sich über die Erlebnisse und Erfahrungen als „Nur-Radler“ auszutauschen. Zunächst ging es um die unerwartet vielen Kilometer, die in Rheinberg in den drei Wochen registriert wurden, mit über 1.700 Teilnehmenden und knapp 250.000 Radel-Kilometern hatte nicht einmal das sehr optimistische Koordinationsteam gerechnet. Danach stiegen wir ins kollektive Interview ein mit der Frage:
„Gab es denn in den drei Wochen als Stadtradler einen Moment wo man gesagt hat: Blöd, dass ich jetzt kein Auto habe?“

Astrid Görgen: „Nein, gab es gar nicht, ich fahre ja schon seit Jahren alles mit dem Rad.“

Fritz Ettwig: „Ich war mir ein bisschen unsicher, ob ich jetzt nur nicht selber Autofahren durfte oder auch nicht mitfahren. Wir hatten ja schon im Vorfeld darüber gesprochen und es gab da die eine Situation, dass wir bei Freunden in Moers zum Essen eingeladen waren, und dazu kamen dann auch noch weitere Freunde, die in Wesel wohnen. Die fahren dann also von Wesel über Ossenberg nach Moers und hatten angeboten uns mitzunehmen. Zuerst wollte meine Frau mit mir mit dem Fahrrad fahren, aber als dass Wetter dann doch nicht so toll war und es ein bisschen nach Regen aussah, ist sie dann mit diesen Freunden mit dem Auto gefahren. Ich habe aber ganz korrekt mein Fahrrad nach Moers genommen, denn auf dieser Straße wird man ja auch gut beobachtet, da stehen so Leute an den Stoppschildern, die gucken ganz genau in die Autos… .“

Astrid Görgen: „Und kurz danach gab es den Beitrag im Blog über den Radweg nach Moers …
Also ich hatte Glück, dass ich in der Zeit jetzt auch Urlaub hatte, 14 Tage mal keine Dienste, mal nicht arbeiten und so konnte ich meine Einkäufe machen für unseren 5-Personenhaushalt. Auf dem Fahrrad, ich hab keinen Gepäckträger, mit dem Rucksack. Ich bin manchmal hingefahren zu Penny und wieder zurück, dann bin ich zu Edeka gefahren und wieder zurück und dann zum Kaufpark gefahren und wieder zurück. Ich hab jetzt wirklich durchgehalten, hab auch richtig diese Literflaschen …

Jürgen Görgen: „Ich hab dann aber die Getränkekisten mit dem Transporter eingekauft.“

Astrid Görgen: „… die Kisten ja, aber manchmal bin ich so mit 10 Liter Flüssigkeiten aufm Rücken losgeradelt. Aber es geht.“

Sabine Meinert: „Und warum hast Du keine Packtasche?“

Jürgen Görgen: „Stolz!“

Astrid Görgen: „Also ich hab mich daran gewöhnt, ich hab den Rucksack auf, wenn ich zum Dienst fahre, da habe ich eine Garnitur drin, damit ich mich komplett einmal umziehen kann auf der Arbeit.“

Lars Kleiner: „Ich hatte ja im Blog geschrieben, dass ich in Wesel ein Vorstellungsgespräch hatte. Und da hab ich schon überlegt: Wie kommst Du da jetzt hin, so ohne Auto?“

Sabine Meinert: „Und da bist Du mit dem Fahrrad hingefahren?“

Lars Kleiner: „Ja“

Allgemeines „Ah“

Lars Kleiner: „Ich hab zuerst überlegt; Bus? …“

Alle: „Nee mit dem Bus geht ja gar nicht, da bist Du Ewigkeiten unterwegs.“

Lars Kleiner: „Ich musste ja zum Kreishaus, aber da hab ich gedacht: Da fährst Du mit dem Rad, mit Rückenwind und schönem Wetter, ich bin ganz gemütlich gefahren und hab dann eine Stunde und 15 Minuten für die Strecke gebraucht.“

Fritz Ettwig: „Wenn man sein Fahrrad richtig ausstattet, kann man auch eine Kiste Bier oder einen Kasten Wasser transportieren, so richtig mit Glasflaschen.“

Astrid Görgen: „Also mit meinem Fahrrad könntest Du das nur schwer…“

Lars Kleiner: “Also mit Rucksack fahren mag ich nun ja überhaupt nicht.“

Sabine Meinert: „Aber wegen des Autoverzichts: wir sind ja Saunagänger, mein Mann und ich, und am ersten Wochenende nach dem 8. Juni, da sagt mein Mann:
– So, wir packen jetzt die Saunataschen und wo wollen wir denn hin? Nach Goch oder nach Geldern?
– Schlecht, ich kann doch gar nicht Auto fahren.
– Wieso, ICH fahr doch.
– Nee, ich darf auch nicht mitfahren!
– Ja dann, wo fahren wir dann denn hin?
So sind wir zuerst in die Sauna hier im Hallenbad in Rheinberg gefahren, aber die hatte nur noch eine Stunde auf. Schließlich sind wir dann in die Sauna Kamperbrück in Kamp-Lintfort gefahren. Die Sauna war ja bis um ein Uhr nachts auf und als wir zurückgefahren sind, stand der Nebel so über den Feldern und das haben wir so genossen, also das hätten wir nicht gehabt, dieses Erlebnis auf der Rückfahrt, wenn wir nicht mit dem Fahrrad unterwegs gewesen wären.“

Astrid Görgen: „Ach morgens ist das immer herrlich an den Erdbeerfeldern vorbeizufahren, da geht dann die Sonne auf.“

Lars Kleiner: „Wann fährst Du da immer?“

Astrid Görgen: „Also viertel nach oder 20 nach 6C“

Lars Kleiner: „Viertel nach bin ich da ungefähr bei Euch.“

Astrid Görgen: „Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, dass wir vorm Jahr vielleicht doch mal irgendwann zusammen gefahren sind. Wir haben uns auch unterhalten, da bin ich mir fast sicher.“

Lars Kleiner: „Ja?“

Sabine Meinert: „Man kommt schon mal mit ’nem Radler ins Gespräch.“

Danach wurde noch über das für und wider einer verlängerten Stadtradelzeit von 6 Wochen gesprochen, was die Stadtradler durchweg befürworteten:

Astrid Görgen: „Also es gab ja die Gruppe, die ich da gebildet hab (Freunde Budberg Eversael), die waren so motiviert, die haben gesagt: O.k., mir tut zwar der Hintern weh, aber heute fahre ich noch eine Runde mit dem Rad! Ich wüsste nicht, ob die das auch über einen längeren Zeitraum durchhalten würden.“

Sabine Meinert: „Ja, das mein ich ja, wenn man Dir jetzt ein Auto hinstellen würde, würdest Du doch auch sagen: Nö, ich nehm doch lieber mein Fahrrad. Und um das zu erreichen, da braucht man eine gewisse Zeit, die man schon durchgefahren ist. Da entsteht dann so ein Gewöhnungseffekt. … Aber ich weiß das von mir, als ich aufs Radfahren umgestellt habe, da hab ich zu Anfang immer probiert: Ach rufst Du mal den an oder der Papa hat heut Zeit, der könnte mich auch abholen…. Heute könnt man mir ein Auto schenken, ich würd’s nicht nehmen. Die drei Wochen sind zu kurz, in dieser Zeit hat man das Erlebnis nicht, da stellt man noch nicht so fest, dass Fahrradfahren so positiv ist.“

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2 Gedanken zu „Gemeinsames Fazit der Rheinberger StadtradlerInnen: Interview mit Lars Kleiner, Sabine Meinert, Fritz Ettwig und Astrid Görgen

  1. In diesem Artikel klingt alles sehr idealistisch und als ob alle für diese ca. 250000 Km ihr Auto stehen gelassen hätten! Aber m. E. sieht die Realität doch etwas anders aus: Die Regeln lassen es ohne weiteres zu, dass auch Freizeitkilometer angerechnet werden. Und ich gebe zu, dass fast alle meine Kilometer meinem Diät-Training als Diabetiker zuzurechnen sind. Auch viele der Rentner haben Ihre Zeit mit Kilometersammeln verbracht, das keine Autokilometer eingespart hat, und auch das Zweier-Team Görgen kam mir bei einer meiner Fahrten in voller Fahrt aus Richtung Kamp-Lintfort beim reinen „Kilometerbolzen“ entgegen. Aus meiner Sicht hat sich inzwischen – außer bei wenigen Idealisten – ein Städte-Wettkampf um Kilometer-Summen entwickelt. Positiv dabei ist natürlich auch der Klimaeffekt, wie groß er tatsächlich auch immer sein mag, zu sehen, aber gleichzeitig auch der Fitness-Effekt, der der allgemeinen Gesundheit (auch ein hohes Gut) zu Gute kommt.
    Seit mir nicht böse, wegen der Kritik, doch man sollte die Kirche im Dorf lassen und nicht päbstlicher sein als der Pabst.
    Wie auch immer, es scheint als hätten wir die Münchener geschlagen und ein Platz auf dem Treppchen ist in erreichbarer Nähe!
    Gruß,
    Lutz

  2. Also, Astrid zählt ja wohl nicht, wenn sie eh schon seit Jahren alles mit dem Fahrrad macht – was soll sie denn da bitte „einsparen“? Mitfahren ist natürlich ok, eingespart wird dabei zwar nichts, aber wenn die Fahrt sowieso durchgeführt wird, so what…

    Das größere Problem sehe ich darin, daß suggeriert wird, daß jeder mit dem Fahrrad gefahrene Kilometer x Gramm CO2 einspart, das ist so natürlich nicht richtig: Es zählen nur Strecken, die man andernfalls mit dem eigenen Auto zurückgelegt hätte – selbst Öffis darf man nicht mitrechnen, denn die fahren ja – siehe oben „Mitfahren“ – in jedem Fall.

    Außerdem muß man, falls man bisher kein Fahrrad hatte, und sich extra eines gekauft hat, die Erzeugungs- und Transportkosten-CO2-Bilanz für dieses Rad einrechnen, sowie die Tatsache, daß man selbst beim Treten mehr CO2 produziert als beim entspannten Sitzen im Fahrzeug.

    Aus all diesen Gründen bezweifle ich, lasse mich aber gern eines Besseren belehren, daß die Aktion unterm Strich nennenswerte Einsparungen im CO2-Bereich bewirkt. Aus bewegungsphysiologischer Fit-mach-mit-Sicht schaut die Bilanz ja sicher besser aus…

    LG,
    Tom

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