Stadtradeln – nur noch 3,5 Tage!

Nach fast drei Wochen muss ich feststellen, dass ich mein Leben nicht verändern musste, zweimal war ich auf Hilfe angewiesen und Transportaufgaben mussten delegiert werden. Da ich das Auto nicht benutzen konnte, wurden auch andere Pflichten nicht an mich herangetragen. Das war sehr entlastend, aber auch egoistisch. Dadurch dass jetzt Schulunterricht nicht mehr zu geben war und sonstige Verpflichtungen weniger waren, ich außerdem vier Tag weg war (Zug), habe ich weniger Km gefahren wie sonst.

Ansonsten zwei Eindrücke:

  1. Kilometer in der ersten Woche: 117, davon eine Veranstaltung in Miltenberg, die bis 19.30 Uhr dauerte. Mit dem Zug hin, 6 Euro, mir dem Rad zurück 5 Euro 60 an der Tankstelle, denn die hatte noch offen, für Wasser und Käsesemmel mit Tomate. Die genaue Produktbezeichnung habe ich vergessen. Wegen der Radklamotten mit Radtasche und Rucksack unterwegs. Eine zweite Radtasche wäre jetzt wirklich gut. Um 21.15 Uhr war ich zuhause. Der Mainradweg ist herrlich. 26 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Ein Radrausch. Mein Tacho zeigt das, genial. Bekannte von mir, zwei Straßen weiter, waren bei derselben Veranstaltung. Sie  nahmen das Auto, zwei Sitzplätze frei. Damit hätte ich 11 Euro 60 gespart. Da es ältere Herrschaften sind, nehmen sie sowieso das Auto, mit bequemem hohem Einstieg. Die 40 km CO2 sind schon wieder umsonst. Im Gegenteil, die Klamotten müssen in die Wäsche. Genau genommen ist die Bilanz negativ.
  2. Was noch? Ich dachte ich hätte mal die Gelegenheit, mich öffentlich über den Zustand der Aschaffenburger Radwege auszulassen. Ich bin deshalb vor vielen Jahren vom Rennrad für Stadtfahrten auf ein Crossrad umgestiegen. Ich dachte, ich könnte mich hier mal richtig beschweren über die Zumutung, mit dem Rad die Ringstraße zu überqueren. Das ist aber doch langweilig. Wenn man das täglich öfters macht, weiß man sich zu helfen: Man nimmt eine Überquerung bei Rot, hat man nur zwei Ampelphasen, egal. Radfahrverstöße werden nicht geahndet, beichtete mir ein pensionierter Polizist bei einem Bierzapfkurs. Aber eine Beobachtung und ein Vorschlag. Während der Autofahrer beste Straßen zur Verfügung hat und eine Ampelphase, hat der Radfahrer 3 Ampelphasen und 12 Randsteine, und zusätzlich Verkehrschilder und Ampelmasten gemeingefährlich so im Weg, dass man im Slalomfahren geübt ist und hoffen kann, dass der fälschlicher Weise entgegenkommende Radfahrer wegen seines schlechten Gewissens nicht meine Seite nimmt. Und als  besondere sportliche Herausforderung gratis im Angebot: Im Juni teilweise noch der winterliche Rollsplitt. Eigentlich gibt es für ein solches Wegeprofil den SUV. Vielleicht sollten wir mal tauschen. SUV auf dem Radweg, ich auf der komfortablen Straße. Der Spaß- und Abenteuerradweg für die nicht ernst zunehmenden Verkehrsteilnehmer, die Straße für die ernstzunehmenden. Dann käme doch jeder auf seine Kosten. Und politisch ist das ja auch gewollt: „Das Rad soll ein ernst zunehmendes Verkehrmittel werden.“ So OB Herzog.

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Heiße Woche mit wenigen Kilometern

Die zweite Woche begann vielversprechend. Außendienste im Flachland mit genügend Zeitpuffer. Aber ich habe nicht mit so heißen Temperaturen gerechnet. Mit dem Rad morgens zur Arbeit und am Abend wieder nach Hause ging gerade noch, jede zusätzliche Tour tagsüber jedoch sparte ich mir und mußte Termine verlegen. Bedauerlich, da ich mir gerade in dieser Woche einiges vorgenommen hatte.
Nun bin ich gespannt auf die dritte Woche.
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Ein Wochenende mit dem ÖPNV – mit Zug und Stadtbus zur Familienfeier

Am letzten Wochenende blieb mein Rad zu Hause. Stattdessen ging es mit ICE, IC und Stadtbus zur Familienfeier nach Gütersloh. Bisher ließ ich mich immer vom Bahnhof abholen und am Sonntag wieder hinbringen – der Vorort liegt ca. 4 km vom Hauptbahnhof entfernt. Nun wollte (musste) ich ausprobieren, ob es auch mit dem ÖPNV geht. In Zeiten des Internets ist es nicht schwierig den Busfahrplan herunterzuladen. Und siehe da – ich musste nur 10 Min. bis zur Abfahrt des Busses warten. Die 15-minütige entspannte Fahrt durch meine Heimatstadt habe ich genossen. Nach 5 Minuten Fußweg war ich schließlich am Ziel.
Mit dem Auto hätte ich für die 350 km etwa 4 Stunden gebraucht. Mit Zug und Bus dauerte die Fahrt 5,5 Std., also 1,5 Std. länger. Schlechter hätte es ausgesehen, wenn ich nur in Regionalzügen gereist wäre – um mein Rad mitnehmen zu können. Schade, dass eine Fahrradmitnahme im ICE nicht möglich ist.
Welchen Irrsinn die strenge Regel für Stadtradler-Stars bedeutet, drei Wochen überhaupt nicht in ein Auto steigen zu dürfen, möchte ich an dieser Stelle mal schildern: Für die Feier musste noch einiges besorgt werden, was ich mit meinem Bruder zusammen mit Hilfe seines Autos übernehmen wollte. Da die Regel das verbietet, musste jemand anderes einspringen. Ich hätte mich zwar darüber wegsetzen können – hätte ja niemand gemerkt – aber das Experiment wollte ich dadurch nicht gefährden. Ich habe mich schon gefragt, warum ich mich darauf einlasse.
Mein Fazit: Man muss schon ein sehr verständnisvolles Umfeld haben, um nicht als völlig abgedreht und ideologisch zwangsgesteuert zu gelten. Ich sehe es sportlich!
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Stadtradeln 19.07.2012

Die erste Woche ist fast rum. Der Start verlief, was das Wetter betrifft, alles andere als optimistisch. Bei der Auftaktveranstaltung am 14.07. auf dem Theaterplatz goss es wie aus Kübeln. An der Sternfahrt nahmen nur 17 Personen teil. Wir Nilkheimer stellten mit 10 Radlern die stärkste Gruppe. Aber es gibt ja kein schlechtes Wetter, sondern bekanntlich nur unpassende Kleidung. Regencape und Überschuhe sorgten dafür, dass ich nicht wirklich nass wurde.
Die täglich geradelten Kilometer zum Dienst und wieder nach Hause konnte ich mit Wochenende- und Feierabendfahrten ergänzen. So steht der Tacho heute bei 117 Km – nach 6 Tagen. Das lässt sich in der nächsten Woche noch steigern.
Eine Schwachstelle bei meiner Strecke von der Innenstadt nach Nilkheim (Entfernung ca. 3 km) wollte ich immer schon ansprechen: Der parallel zur vielbefahrenen Großostheimer Straße verlaufende Radweg – den nehme ich, wenn der Belag in der Schönbuschallee aufgeweicht ist – ärgert mich immer wieder. An den Stellen, wo der Radweg die Auffahrten zur Ringstraße quert, sorgen die nicht abgesenkten Begrenzungssteine für ärgerliche Erschütterungen. Hier könnte mit wenigen Mitteln Abhilfe geschaffen werden. Liebe Kollegen vom Tiefbauamt: bitte nehmt Rücksicht auf uns Radler und stellt eine durchgängige Radspur her!
Die Teilnahme der Stadt Aschaffenburg an der Kampagne sorgt für Gesprächsstoff. Viele Gruppen sind untereinander vernetzt. Man kennt sich- unsere Stadt ist überschaubar. So fühlen wir uns solidarisch und tauschen uns aus. Mich freut es, dass unser Oberbürgermeister Klaus Herzog mit gutem Beispiel vorangeht und mitradelt. Nur das Tun zählt, nicht das Reden!
In der nächsten Woche stehen einige Dienstfahrten auf dem Programm. Bei nicht zu heißem Wetter wird’s kein Problem werden. Ich freu mich jedenfalls drauf.
Für mich steht fest – die Zukunft gehört dem Fahrrad, ob mit oder ohne elektrische Unterstützung und Radeln macht süchtig!
Richtig auf den Geschmack gekommen bin ich bei unserer Radtour in Frankreich in diesem Jahr. 1000 km in 2 ½ Wochen durch schönste Landschaften. Die Tour mit Camping –Gepäck führte uns von Le Puy-en-Velay im Zentralmassiv bis über die Pyrenäen nach Pamplona – mit Extratour in den Cevennen. Es war ein Traumurlaub mit Fitness-Effekt!
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erste Woche ohne

Verzicht aufs Auto, alles mit dem Rad fahren, dachte ich, ist kein Problem. Ich fahre ja sowieso alles mit dem Rad. Denkste. Es ging schon am Samstag los: Telefon: Papa, holst Du mich ab? Nein, Du läufst. Da hatte ich es, das schlechte Gewissen und den abrupten der Abschied von der Vaterrolle, die darin besteht, gutmutig alle Wünsche zu erfüllen. Doch es kommt  noch schlimmer. Ich bin angewiesen. Da stehen drei Kisten mit Gemeindebriefen. Sie müssen nach Jakobus. „Für die Pfarrstelle ist ein Kombi unerlässlich“. Diese Formulierung hätte fairerweise im Amtsblatt für unsere Pfarrstelle stehen sollen. Aber es gibt für alles eine Lösung.  Während meine Tochter, die ich zwei Tage vorher laufen habe lassen, mit dem Auto fährt, präsentiere ich mit dem Rad vorne weg oder hinter her, je nach Verkehrsaufkommen, meine ethische avantgardistische Überlegenheit. Dazwischen eine kleine Wettfahrt.  Bei 44 km/h muss ich sie aber ziehen lassen. Die auf meinem Tacho angezeigte co2 Ersparnis kann ich knicken. Eine weitere Folge als Radelstar: die weiblichen Familienmitglieder einwickeln eine ausgewachsene Velophobie.
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Statement von Pfarrer Markus Geißendörfer, Pfarrer Stadtteile St. Lukas, Nilkheim/ Leider

Selbst wäre ich nicht auf die Idee gekommen, teilzunehmen. Dann sollte es eine Tacho und eine Tasche geben und soviel muss ich nicht dafür umstellen: meinen Beruf, selbst Fahrten zum Friedhof mit schwarzem Anzug mache ich ganzjährig mit dem Rad, Sitzungen im Umkreis von 20 km ebenso.

Die rigorose Anwendung des Nicht-Auto-Gebots hat für mich etwas mit mittelalterlicher Bußleistung, jetzt allerdings für das Ökoheil zu tun und zwar deshalb, weil Radfahren für mich immer die Freiheitsalternative ist. Freiheit resultiert aus der  Entscheidungsmöglichkeit. Ich versuche es und sehe es sportlich.

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Statement von Maria Quittek, Naturschutzfachkraft beim Amt für Umwelt und Verbraucherschutz

Radfahren macht mir große Freude! Es hält mich fit, schont die Umwelt und den Geldbeutel. Ich finde es toll, mal ganz ohne Auto auszukommen, auch wenn ich sonst nicht oft das Auto nutze.
Ich bin gespannt, ob ich meine vielen Außentermine auch ohne Dienstwagen bewältigen kann. Das erfordert eine gute Organisation und die richtige Ausrüstung (Schlechtwetterkleidung inklusive). Spontane Termine in höher gelegenen Orten außerhalb des Stadtkerns – immerhin liegt Aschaffenburg am Rand des Spessarts- könnten problematisch werden, weckt aber meinen sportlichen Ehrgeiz.
Meine Teilnahme an der Aktion gibt mir die Gelegenheit Schwachstellen im Aschaffenburger Radwegenetz aufzuspüren und zu benennen. Wichtig ist mir auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Fahrradbegeisterten.
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