Über Markus Geißendörfer

STADTRADLER-STAR 2012 in Aschaffenburg

Stadtradeln – nur noch 3,5 Tage!

Nach fast drei Wochen muss ich feststellen, dass ich mein Leben nicht verändern musste, zweimal war ich auf Hilfe angewiesen und Transportaufgaben mussten delegiert werden. Da ich das Auto nicht benutzen konnte, wurden auch andere Pflichten nicht an mich herangetragen. Das war sehr entlastend, aber auch egoistisch. Dadurch dass jetzt Schulunterricht nicht mehr zu geben war und sonstige Verpflichtungen weniger waren, ich außerdem vier Tag weg war (Zug), habe ich weniger Km gefahren wie sonst.

Ansonsten zwei Eindrücke:

  1. Kilometer in der ersten Woche: 117, davon eine Veranstaltung in Miltenberg, die bis 19.30 Uhr dauerte. Mit dem Zug hin, 6 Euro, mir dem Rad zurück 5 Euro 60 an der Tankstelle, denn die hatte noch offen, für Wasser und Käsesemmel mit Tomate. Die genaue Produktbezeichnung habe ich vergessen. Wegen der Radklamotten mit Radtasche und Rucksack unterwegs. Eine zweite Radtasche wäre jetzt wirklich gut. Um 21.15 Uhr war ich zuhause. Der Mainradweg ist herrlich. 26 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Ein Radrausch. Mein Tacho zeigt das, genial. Bekannte von mir, zwei Straßen weiter, waren bei derselben Veranstaltung. Sie  nahmen das Auto, zwei Sitzplätze frei. Damit hätte ich 11 Euro 60 gespart. Da es ältere Herrschaften sind, nehmen sie sowieso das Auto, mit bequemem hohem Einstieg. Die 40 km CO2 sind schon wieder umsonst. Im Gegenteil, die Klamotten müssen in die Wäsche. Genau genommen ist die Bilanz negativ.
  2. Was noch? Ich dachte ich hätte mal die Gelegenheit, mich öffentlich über den Zustand der Aschaffenburger Radwege auszulassen. Ich bin deshalb vor vielen Jahren vom Rennrad für Stadtfahrten auf ein Crossrad umgestiegen. Ich dachte, ich könnte mich hier mal richtig beschweren über die Zumutung, mit dem Rad die Ringstraße zu überqueren. Das ist aber doch langweilig. Wenn man das täglich öfters macht, weiß man sich zu helfen: Man nimmt eine Überquerung bei Rot, hat man nur zwei Ampelphasen, egal. Radfahrverstöße werden nicht geahndet, beichtete mir ein pensionierter Polizist bei einem Bierzapfkurs. Aber eine Beobachtung und ein Vorschlag. Während der Autofahrer beste Straßen zur Verfügung hat und eine Ampelphase, hat der Radfahrer 3 Ampelphasen und 12 Randsteine, und zusätzlich Verkehrschilder und Ampelmasten gemeingefährlich so im Weg, dass man im Slalomfahren geübt ist und hoffen kann, dass der fälschlicher Weise entgegenkommende Radfahrer wegen seines schlechten Gewissens nicht meine Seite nimmt. Und als  besondere sportliche Herausforderung gratis im Angebot: Im Juni teilweise noch der winterliche Rollsplitt. Eigentlich gibt es für ein solches Wegeprofil den SUV. Vielleicht sollten wir mal tauschen. SUV auf dem Radweg, ich auf der komfortablen Straße. Der Spaß- und Abenteuerradweg für die nicht ernst zunehmenden Verkehrsteilnehmer, die Straße für die ernstzunehmenden. Dann käme doch jeder auf seine Kosten. Und politisch ist das ja auch gewollt: „Das Rad soll ein ernst zunehmendes Verkehrmittel werden.“ So OB Herzog.

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erste Woche ohne

Verzicht aufs Auto, alles mit dem Rad fahren, dachte ich, ist kein Problem. Ich fahre ja sowieso alles mit dem Rad. Denkste. Es ging schon am Samstag los: Telefon: Papa, holst Du mich ab? Nein, Du läufst. Da hatte ich es, das schlechte Gewissen und den abrupten der Abschied von der Vaterrolle, die darin besteht, gutmutig alle Wünsche zu erfüllen. Doch es kommt  noch schlimmer. Ich bin angewiesen. Da stehen drei Kisten mit Gemeindebriefen. Sie müssen nach Jakobus. „Für die Pfarrstelle ist ein Kombi unerlässlich“. Diese Formulierung hätte fairerweise im Amtsblatt für unsere Pfarrstelle stehen sollen. Aber es gibt für alles eine Lösung.  Während meine Tochter, die ich zwei Tage vorher laufen habe lassen, mit dem Auto fährt, präsentiere ich mit dem Rad vorne weg oder hinter her, je nach Verkehrsaufkommen, meine ethische avantgardistische Überlegenheit. Dazwischen eine kleine Wettfahrt.  Bei 44 km/h muss ich sie aber ziehen lassen. Die auf meinem Tacho angezeigte co2 Ersparnis kann ich knicken. Eine weitere Folge als Radelstar: die weiblichen Familienmitglieder einwickeln eine ausgewachsene Velophobie.
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Statement von Pfarrer Markus Geißendörfer, Pfarrer Stadtteile St. Lukas, Nilkheim/ Leider

Selbst wäre ich nicht auf die Idee gekommen, teilzunehmen. Dann sollte es eine Tacho und eine Tasche geben und soviel muss ich nicht dafür umstellen: meinen Beruf, selbst Fahrten zum Friedhof mit schwarzem Anzug mache ich ganzjährig mit dem Rad, Sitzungen im Umkreis von 20 km ebenso.

Die rigorose Anwendung des Nicht-Auto-Gebots hat für mich etwas mit mittelalterlicher Bußleistung, jetzt allerdings für das Ökoheil zu tun und zwar deshalb, weil Radfahren für mich immer die Freiheitsalternative ist. Freiheit resultiert aus der  Entscheidungsmöglichkeit. Ich versuche es und sehe es sportlich.

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