Über Ilona Hörath

STADTRADLER-STAR 2015 in Erlangen

Fränkischer Fahrrad-Flashmob

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Mein Fazit nach drei Wochen als Stadtradlerin in Erlangen: Ja, es schmeckt. Ja, es macht Lust auf mehr. Wer aufs Auto verzichtet, muss sich etwas mehr organisieren und auch mehr Zeit einplanen, um zum Ziel zu gelangen. Eigentlich alles machbar. Trotzdem wird es, ehrlich gesagt, in meinem Beruf nicht ganz ohne Auto gehen. Aber drei Wochen haben ausgereicht, um jetzt darüber nachzudenken, ob Carsharing nicht doch eine Alternative ist, wenn es mit den Rad mal ganz und gar nicht klappen kann.

Dass Erlangen seit vielen Jahren eine ausgewiesene Radlerhochburg ist, mögen viele Statistiken zeigen. Der tatsächliche Beweis aber ist jedes Jahr vor und nach Pfingsten etwa zwei Wochen lang zu besichtigen. Zu kaum einer anderen Zeit als rund um Pfingsten herum und an kaum einem anderen Ort als der „Bergkirchweih“, die jedes Jahr rund eine Million Besucher auf die historischen Bierkeller lockt, kommt es quasi zu einem „Fahrrad-Flashmob in Extrem-Zeitlupe“. Allmählich füllt sich ein schnöder Autoparkplatz am Fuße des Kirchweihgeländes mit gefühlt tausend Drahteseln. Spät in der Nacht, wenn das letzte Bier getrunken und die Popcorntüte leergefuttert ist, sind sie wieder weg. So geht das Tag für Tag. Zumindest in dieser „fünften Jahreszeit“ muss niemand mehr überzeugt werden, aufs Fahrrad umzusteigen.

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Zwangspause

Merkwürdig ist das schon. Vor dem Stadtradelstart habe ich meinen Drahtesel extra fit machen lassen. Jetzt, kurz vor dem Wochenende, streikte das Velo dann doch. Nein, es waren nicht die Bremsen, die Kette oder die Schaltung, die sich dienstuntauglich gemeldet haben. Der Fahrradständer lässt sich nicht mehr in die Waagrechte klappen und springt stattdessen immer wieder zurück. Jedenfalls beträgt die Anzahl meiner gefahrenen Kilometer an diesem Wochenende daher erschreckende null. Also Anruf am Montagmorgen in der Fahrradwerkstatt. Und es ist genauso wie Montags in den Arztpraxen. Ich lande mehrmals in der Warteschleife: „Bitte versuchen Sie später noch einmal.“ Solange gilt zumindest für mich: Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt.

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Von Packeseln und schrumpfenden Städten

Mein Rad ist zum wahren Packesel geworden – doch mein Gepäckträger bleibt stabil. Er schafft locker den Riesensack Katzenstreu oder den Kasten Mineralwasser. Und vorne dran baumelt der prall gefüllte Einkaufskorb: Eine gute Übung in der Kunst, das Gleichgewicht zu halten.

Fasziniert bin ich vom „Fahrradcomputer“. Unbestechlich zeigt er mit jeden gefahrenen Meter – zum Kilometer fressenden Superbiker werde ich in diesem Leben aber wohl nicht mehr. Aber ich tue mein Bestes und trete wann immer ich kann in die Pedale. Der kleine „Rundenzähler“ sorgt allerdings dafür, dass ich Entfernungen jetzt besser einschätzen kann. Erschien mir vorher, beim Autofahren, eine Strecke nervig endlos – zu viele Rotphasen an den Ampeln? –, schrumpft jetzt die Distanz zum Bäcker auf gerademal 800 Meter. Schweißtreibende Überanstrengung sieht anders aus. Ich bin auf dem besten Weg, die Stadt neu zu vermessen und werde das Gefühl nicht los, dass mit jedem geradelten Meter die Räume kleiner werden…

Und mein Auto? Das ist mittlerweile mit einem schmutzig-gelbem Gemisch aus Blütenpollen und feinstem Saharastaub überzogen. Ach ja: Seit ich stadtradle, lebe ich knöllchen-frei.

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Stadtradeln: Startschuß in Erlangen

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Erlangen, Rathausplatz. 1. Mai 2015. 9 Grad plus, die Frisur sitzt. Zumindest einigermaßen, denn es regnet leicht. Das aber stört den Erlanger Oberbürgermeister Florian Janik (siehe Selfie) nicht im geringsten: Er gibt den Startschuß zum Stadtradeln in der Hugenottenstadt. Mit dabei sind meine Mit-Stadtradler-Stars Georg Gebhardt, Kurt Höller, Susanne Lender-Cassens und Leonard Fraunberger. Alle wollen es jetzt wissen: Wie schaffen wir es, auf unsere Blechkisten zu verzichten? Schnell tauschen wir Tipps und Tricks aus, stecken uns Zug- und Busverbindungen zu.

Meinem Ziel, als Stadtradler-Novizin durch das Stadtradeln nicht nur zum Klimaschutz beizutragen, sondern auch fitter zu werden, bin ich anscheinend gleich bei der Eröffnung einen Schritt näher gekommen. Sollte mir die Puste ausgehen, weiß ich mich in guten Händen und werde mich vertrauensvoll an meinen Stadtradler-Kollegen Leonard Fraunberger wenden. Hut ab: Er hat mit dem Radl nicht nur die Alpen überquert und ist Triathlon-Spezialist, sondern weiß als Sportmediziner an der Erlanger Friedrich-Alexander-Universität genau, wie man Schreibtischarbeitern wie mir „Beine macht“.

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Der letzte Check

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Kurz vor dem Radeln in den Mai der letzte Check in der Werkstatt: Hans, mein Fahrradmechaniker, hat meiner alten Möhre die Kette geschmiert, neue Pedale montiert und neue Griffe aufgezogen. Und jetzt funktioniert auch das Rücklicht wieder. Das neue Vorderrad mit Nabendynamo sitzt. Und das Fahrrad flitzt.

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