Über Hans Peter Müller-Angstenberger

„STADTRADLER-STAR 2014 und 2015 in Rottenburg am Neckar“
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2. Woche

Immer wieder ertappt man sich, dass man falsch plant. Es regnet, bringst du unsere Tochter zur Cello-Lehrerin? Ja klar, antworte ich. Spätestens in dem Moment, wo man den Autoschlüssel in die Hand nimmt, kommt es einem dann. Nein Schatz, das musst du machen: Ich darf doch nicht. Die Hektik, die dann entsteht, kann man sich vorstellen. Es ist dann schon auch ein Bürde für die ganze Familie und alle müssen irgendwie meine Aktion mittragen. Ob das so richtig ist? Ich bemühe mich um Ausgleich, ich hoffe mal, dass es gelingt. Ach ja und eine Schockstarre gab es auch: Die Bahn streikt. Wie schaff ich nur den Termin am Samstag in Weil der Stadt? Hin- und Zurückradeln geht nicht wegen Anschlussterminen! Durchatmen: Schlichtung in letzter Sekunde. Und eine wichtige Erkenntnis: An Wochenenden kann ich das Fahrrad umsonst im Zug und in der S-Bahn mitnehmen, größtenteils jedenfalls! Das finde ich cool, denn so kann man sich auch eine längere Strecke maßschneidern.

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Auftakt

Was für ein Start mit der Tour de Rottenburg! Ein toller Einstieg in drei Wochen autofrei. Optimales Wetter, nette Menschen und viele interessante Gespräche haben das ganze aufgelockert. In Obernau musste ich die Gruppe leider verlassen – besser gesagt, hab ich mich eher davon gestohlen – aber ich hatte noch ein wichtiges Gespräch mit einem meiner Spieler und dass wir nächstes Jahr eine schlagkräftige Truppe in der 1. Bundesliga haben, ist ja schließlich auch wichtig, oder? So ging es gleich ab durchs Neckartal bis Tübingen und natürlich anschließend wieder mit dem Fahrrad zurück bis Rottenburg. Insgesamt habe ich das Tagesziel von rund 80 Km also doch noch erreicht:-) Die Woche brachte dann sehr viele Termine, heißt mehr sitzen als Radeln und mit den Hunden muss ich ja auch noch gehen: Unser 55 kg schwerer Molosser mag kein Radfahren 🙂 Immerhin ging es zweimal nach Wurmlingen zu den Großeltern, um die Hunde abzuliefern. Und natürlich unser Hochzeitstag, 10-Jähriges an Himmelfahrt, ursprünglich in Paris geplant, dann doch gecancelt und nun das: autofrei, was tun? Natürlich Fahrradfahren! Und was herauskam war eine Nostalgietour durch unsere Lebens- und Erfahrungswelt der letzten 10 Jahre in der Region Rottenburg-Tübingen. Ohne Stadtradeln hätten wir dieses Erlebnis sicher so nicht erfahren dürfen.

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Startschuss fürs Stadtradeln

Gleich geht es los: Dann wird das Auto eingepackt und ich darf es dann nicht mehr benutzen! Es ist schon ein Einschnitt: Einiges muss umgeplant werden. Termine in Rottenburg sind ja kein Problem, da mache ich ohnehin die meisten mit dem Fahrrad. Aber gerade zum Transportieren von Einkäufen etc. muss eben wieder der Fahrradanhänger her, schließlich sind die Kinder mittlerweile groß genug und brauchen diesen nicht mehr. Ein bisschen leichter macht es in diesem Jahr vielleicht der Umstand, dass alle Trainingseinheiten mit der Bundesligamannschaft zu dieser Jahreszeit dank der Volksbank-Arena in Rottenburg stattfinden. Schwierig könnten natürlich dieses Mal die weit entfernten Termine sein, sollte die Bahn auch in den nächsten Wochen kräftig streiken. Sei´s drum: Ich freue mich darauf durch die Aktion wieder einmal sehr viel für mich selbst zu tun: Frische Luft, Aktivität, Natur. Vor allem aber: das Gewohnte durchbrechen!

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Abschlussbilanz

Meine letzten beiden Tage Stadtradeln waren natürlich der Höhepunkt. Ich wusste gar nicht mehr wie schön Radfahren sein kann. Klar: Ich bin ja auch schon davor in Rottenburg das meiste mit Fahrrad gefahren. Aber diese Strecken über Land, die zum Nachdenken anregen, waren schon besonders. Besonders wahrscheinlich vor allem deswegen, weil man es nicht mehr so oft gemacht hat. Eine Tour wie nach Obermarchtal hatte ich seit der Geburt meiner Töchter nicht mehr unternommen. Das war wirklich seit Langem einfach geschenkte Zeit für mich allein. Die Erfahrung Zeit geschenkt zu bekommen war alles zusammengenommen das Interessanteste an den drei Wochen. Dies war nicht zu erwarten, das Gegenteil hatte ich ja befürchtet und es zeigt mir einmal mehr, wie der Umgang mit Zeit, schlichtweg von der Perspektive, die man einnimmt, abhängt. 3 Wochen Stadtradeln ließ mich meine Wege bewusster tun und sprengte Gewohntes, Selbstverständliches auf. Deshalb danke ich den Initiatoren dieser Idee und Herrn Weber, dem Klimaschutzmanager der Stadt Rottenburg, der mich auf eine Teilnahme ansprach, aus ganzem Herzen und ganz persönlich und unabhängig vom Erfolg der Aktion insgesamt: Für mich waren diese drei Wochen ein Gewinn, ein „Mehr“, das ich ohne diese Initiative nicht hätte erfahren dürfen.

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Abschluss 3. Woche

Stadtradeln ging in dieser Woche zu Ende, aber was für ein Abschluss. Werner Redies, Generalvikar der Diözese Rottenburg-Stuttgart a.D. feierte in Obermarchtal sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Mit dem Zug nach Obermarchtal ist eine kleine Weltreise und so war schnell klar: das mache ich mit dem Fahrrad, Auto schied ja logischer Weise aus und das war gut so! Denn ich habe jeden der insgesamt 170 Kilometer genossen. Traumhaftes Wetter, mystischer Zielort, emotionale Feier und eine Rückfahrt durchs Lautertal am frühen Samstagmorgen, die schöner hätte nicht sein können. Die Hinfahrt war schlecht gewählt. Total doooof, dachte ich an der Gammertinger Steige (mit dem Auto sah das früher gar nicht so steil aus). 34 Grad stechende Hitze aber ein eiserner Wille pünktlich um 15.30 beim Kaffee-Empfang in Obermarchtal zu sein. Ich war trotz allem gut in der Zeit, gab alles, trat in die Pedale und freute mich ab Zwiefalten auf eine pünktliche Ankunft und eine erfrischende Dusche. In Zwiefaltendorf krachte dann die Kette, ab hier war Laufen angesagt. Irgendwann erinnerte ich mich an die Laufrad-Technik meiner Töchter, machte den Sattel runter und bewegte mich sitzend mit meinen Füßen vorwärts. Gleichzeitig hoffte ich, dass mich keiner der im Auto vorbeifahrenden Jubiläumsgäste erkennt. Am Ortseingang von Obermarchtal dann der rettende Mechanikerbetrieb, der zufällig noch eine neue Kette herumliegen hatte und die Weiterfahrt am nächsten Tag war gesichert. Mit zweistündiger Verspätung hat der Kaffee dann schon noch einmal besonders gut geschmeckt.

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Abschluss 2. Woche

Was hat Stadtradeln mit Fußball-WM zu tun: Ich muss meine Radler- und Bierkisten fürs Public-Nachbar-Viewing im Kinderanhänger vom Supermarkt den Schelmen hoch bis zu mir nach Hause transportieren! Ansonsten hat sich fast schon Routine eingestellt. Die Trainingsfahrten nach Tübingen kann ich mir schon kaum mehr anders vorstellen, bei Regen lehne ich Mitfahrversuchungen natürlich konsequent ab. Allerdings: Einen klaren Erschöpfungszustand donnerstags habe ich mit der Nutzung von Buslinie 18 (Tübinger Freibad- Theoderich-Kapelle Rottenburg) gekontert. Auf Nachfrage war die Begründung für die Nutzung des ÖPNV natürlich schnell gefunden: Unverschwitzt zum Anschlusstermin 🙂

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Abschluss 1. Woche

Für die erste Woche war ich sehr froh, dass ich keine zusätzlichen Termine mit Terminen weit außerhalb hatte. Meine größte Sorge war, ob meine Terminplanungen aufgehen und ich zwischen den Terminen pünktlich von A nach B komme. Meistens war ich ein wenig außer Puste, aber geklappt hat es immer. Die Trainingseinheiten in der Tübinger Paul-Horn-Arena mit meiner Bundesligamannschaft wurde auf diese Weise für mich nun auch zu Trainingseinheiten. Nach Rottenburg nach Tübingen lief es stets rund: In 25 Minuten schön durchziehen, da habe ich mich fast wie 20 gefühlt, zurück musste ich dann feststellen, dass ich doch schon über Vierzig bin. Po-Schmerzen, Handgelenkschmerzen, feste Waden und Oberschenkel: Ich bin halt nur Trainer und nicht mehr Sportler:-)

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